Heute war ich tauchen am Riff. Nicht nur mit Schnorchel und Taucherbrille, sondern so richtig mit Taucheranzug und Sauerstoffflasche auf dem Rücken. Eine “Location” (neudeutsch für “Ort”), von der wahrscheinlich so ziemlich jeder Sporttaucher schonmal geträumt hat. All das, was ich gestern nur durch Fensterscheiben gesehen habe, konnte ich heute nun hautnah, live und in Farbe erleben. Aber fangen wir vorne an:
Um 08:00 Uhr war Check-In auf meinem Kutter zum Riff. Das bedeutete 07:00 Uhr aufstehen, fertg machen, und mit meinen obligatorischen “Cafe Latte to go” auf ins Booking Terminal, um mein Ticket abzuholen. Dort angekommen, hätte ich eigentlich schon wieder duschen können, denn es war schon wieder ganz schön knackig warm. Auf dem Schiff gabs erstmal einen brauchbaren Kaffee und die Sicherheitshinweise für den Tag. Außerdem gab es, im Gegensatz zu gestern, kostenlose Tabletten gegen Seekrankheit. Als echter Kerl brauchte ich die natürlich nicht, gestern war die Fahrt ja auch lustig. Nachdem die Stimme aus dem Off allerdings zum dritten mal wiederholte, das jetzt ein guter Zeitpunkt ist, sich die Drogen einzuschmeißen, hab ich aus Solidarität auch mal eine genommen. Eine, von unzähligen weisen Entscheidungen in diesem Urlaub. Während der gut einstündigen Fahrt zum Riff, wurde die Gruppe der Taucher eingewiesen und instruiert. Je länger das Ganze dauerte, desto kleiner wurde die Gruppe. Reihenweise verabschiedeten sich die Passagiere mit kleinen weißen Tüten in der Hand an die frische Luft. Damit es mir nicht genauso erging, versetzte ich mich selber in eine Art “Jetzt-bloß-nicht-kotzen”-Trance und lutschte dabei ca. 3 Kilo Eiswürfel, die das Unwohlsein etwas erträglicher machten. Permanent hielt ich Ausschau nach der Insel, an der wir in meiner Vorstellung halt machen würden. Aber da kam nix. Irgendwann (nach gefühlten 5 Stunden) hielt das Schiff einfach an, so nach dem Motto “Hier ist schön, hier bleiben wir. Bitte bereit machen für eine Runde Schnorcheln!”.
Ein kurzer Rundumblick gab mir die Gewissheit, dass in allen 4 Himmelsrichtungen nichts, außer Meer zu sehen war. “Na gut, dann machen wir mal einen auf Tom Hanks in Castaway und planchen ein bißchen im offenen Ozean”. Cool! Aber eigentlich auch nicht, denn das Wasser hatte mit 26 Grad ziemliche Badewannentemperatur. Also Taucherbrille auf, Schnorchel in die Schnüss und ab dafür. Das war schonmal sehr nett. Allerdings machte mir meine Schnappatmung beim Schnorcheln im Hinblick auf meinen bevorstehenden Tauchgang, etwas Sorge.
Nach ca. 1,5 Stunden wurde alle Passagiere wieder eingefischt, und die Fahrt ging weiter, an einen anderen Ort (der sah natürlich genauso aus, halt offenes Meer), wo dann mein erster Tauchgang bevorstand.
Zuersteinmal sei angemerkt: Ein Neoprenanzug macht eine außerst unvorteilhafte Figur! Ich kam mir vor, wie eine pommersche Leberwurst im Naturdarm, und sah wahrscheinlich auch so aus. Dazu kamen dann noch ca. 70 kg Krempel, wie Sauerstoffflasche, Schwimmweste, Schwimmflossen, Taucherbrille, Bleigürtel und Tiefenmesser. Die Kür bestand darin, mit der Ausrüstung ins Wasser zu kommen. Ich habs geschafft, und danach wurde es – wie beschrieb ich es gestern? – Nett! Von meiner Schnappatmung war nichts mehr zu spüren. Wahrscheinlich, weil ich vor lauter Staunen eh das Atmen vergessen hatte. 30 Minuten verbrachten wir in einer Gruppe von 3 Mann schwerelos in 5 – 10 Metern Tiefe. Am liebsten hätte ich das ganze Riff eingepackt und mit nach Hause genommen. Es ist schwer, das alles in Worte zu fassen, unter Wasser kam mir allerdings folgender Gedanke:
Sollte es tatsächlich einen Schöpfer der Welt geben, und sollte Dieser tatsächlich 7 Tage für die Erschaffung der Erde gebraucht haben, so muss er mindestens 5 davon für das Design des Great Barrier Reefs verbraten haben.
Das ganze Spektakel wiederholte ich dann nochmal an einer anderen Stelle, so dass ich summasumarum 1 Stunde tauchen war. Das Thema “Tauchschein” ist für mich jetzt abgehakt, denn ich glaube, den Höhepunkt einer Taucherkarriere habe ich heute schon erlebt.
Pictures of the day: Die selben wie gestern, nur ohne Insel und Krokodil.
Erkenntnis des Tages: Ich bin nicht seefest!
Cheers!