Feb 5 2009

Warum DE-Mail scheitern wird

Unsere Bundesregierung plant einen E-Mail-Dienst für alle Bundesbürger. Schön, es gibt ja noch nicht genug Anbieter. Das besondere an DE-Mail, so der Name des Dienstes: Er soll absolut sicher, und die Authentität von Sender und Empfänger soll zu 100% gewährleistet sein. Zudem bekommt jeder DE-Mail-Adressenbesitzer einen Online-Speicher, wo Dokumente  hinterlegt werden können. Somit wäre die Grundlage geschaffen für eine sichere, rechtsverbindliche Kommunikation zwischen Bürgern und Behörden, aber auch mit Versicherungen, Banken und anderen Unternehmen.
Soweit die Theorie, die, zugegebenermaßen recht fortschrittlich klingt, hätte die ganze Sache nicht mehrere Pferdefüsse:

Fuß 1:

Niemand weiß, wie das Projekt finanziert werden soll. Eine Menge Unternehmen sind beteiligt (dazu später mehr), die alle nicht für Lau arbeiten. Auch die Infrastruktur kostet ein paar Euro fuffzig. Die Bundesregierung überlegt derweil, ob man nicht eine Art “E-Porto” für die neuen, sicheren E-Mails verlangen kann.

Fuß 2:

Das Internet ist evil! Viele Menschen haben kein Vertrauen in das Medium Internet. Was im Grunde genommen ja auch richtig so ist. Sie bringen ihre Überweisung immer noch lieber selber zur Bank als das per Online-Banking zu erledigen. Per Kreditkarte wird nicht eingekauft, und bestellt wird, wenn überhaupt,  am liebsten per Nachnahme. Diese Menschen werden Ihren Ausweis nicht per E-Mail verlängern lassen.

Fuß 3:

E-Mail Konto konfigurieren? Verschlüsselung? Noch ein Passwort merken? Hä?
Das Einrichten eines neuen E-Mail-Kontos auf dem heimischen PC stellt den Großteil der PC-Benutzer vor eine
nahezu unlösbare Aufgabe. Sie sind froh, wenn ihr System läuft. Ich übrigens auch.

Fuß 4:

Welcher halbwegs informierte Bürger, der noch einen Rest Privatssphäre behalten möchte, wird wirklich wichtige Korrespondenz über einen Dienst verschicken, der in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesinnenministerium entwickelt wird? Jenem Ministerium, dessen Chef jeden Tag nach Vorratsdatenspeicherung, Online-Überwachung und Online-Durchsuchungen schreit.

Fuß 5:

Zertifikate! Um sicherzustellen, dass die Mail wirklich vom Sender stammt, braucht jeder DE-Mail-Besitzer ein persönliches, digitales  Zertifikat, welches die Mail als echt, sprich vom Sender stammend, zertifiziert. Da “normalerPC-Benutzer” und “Backup” eher in einer konfliktären Beziehung zueinander stehen, wird es nicht lange dauern, bis die ersten Zertifikate verloren gehen, oder von Trojanern gefressen werden. Das die Ausstellung eines neuen Zertifikats nur gegen Bares erfolgt, versteht sich von selbst.

Fuß 6:

Die beteiligten Firmen: An erster Stelle sei da mal die Telekom zu nennen. War das nicht die Firma, welche es noch nicht mal schafft, ihre eigenen Daten im Haus zu halten? Oder war das doch eher die Firma, die ihre Mitarbeiter mal “zu Testzwecken” überprüft? Dann das ehemalige Staatsunternehmen “Deutsche Post”, dessen Ex-Vorstand gerade vor Gericht stand. Die kamen wahrscheinlich auch auf die glorreiche Idee mit dem “E-Porto”. Nicht zuletzt unser Bundesinnenministerium, auf das ich in Fuß 4 schon eingegangen bin. Nicht fehlen darf natürlich T-Systems (siehe dazu folgenden, sehr lesenswerten Kommentar). Fehlt eigentlich nur noch der Mehdorn und ein paar Siemens-Manager, damit ich mich rundum gut versorgt fühlen kann.

Fuß 7:

Eine zu kurze Vorlaufzeit. Im November 08 beschlossen, Im Sommer 09 Pilotprojekt, 2010 Projektabschluss. Dabei sind noch zuviele Fragen zum Thema Verschlüsselung, Zertifikate, und Kommuikation offen.

Fazit:

DE-Mail wird meiner Meinung nach mal wieder eine nicht unerhebliche Investition von Steuergeldern, welche zwar heere Ziele verfolgt, aber ein Schuß ins Leere sein wird. Die eigentlichen Gewinner dürften die Beteiligten Unternehmen und diverse Ministerien sein.
Zitat W. Schäuble:  “De-Mail steht für Fortschritt, IT und IT-Sicherheit made in Germany.” (Quelle)
Wenn ich mit meiner Einschätzung recht behalte, könnte diese Aussage in den nächsten Jahren noch ein wenig für Hohn und Spott sorgen.


Feb 3 2009

Die Machenschaften der Deutschen Bahn AG

Die Schnüffeleien der Deutschen Bahn AG wurden ja in den letzten Tagen zur Genüge kritisiert. Netzpolitik.org wurde jetzt ein internes Memo zugespielt, welches die Mehoden der Bahn mal ein wenig detailierter beschreibt. Beim Lesen kräuseln einem echt die Nackenhaare. (Link zum Memo)

Scheinbar ist die Bahn mit der Veröffentlichung dieses Memos nicht so wirklich einverstanden, denn prompt landete beim Betreiber von Netzpolitik.org eine Abmahnung nebst Unterlassungserklärung auf den Schreibtisch. So versucht man also, eigenen Mist unter den Teppich zu kehren. Ich hoffe, dass Netzpolitik.org sich nicht einschüchtern lässt, den Wisch einfach in die Rundablage unterm Schreibtisch schmeißt, und mal schaut, was die Bahn noch so alles drauf hat, um ihr Image zu zerstören. Viel Erfolg!


Dez 8 2008

shutdown -r now

oder: Wo ist auf dieser Welt der scheiß Reset-Knopf?

manmanman, was in diesen Tagen wieder los ist. Meine persönlichen Daten und die von 20.999.999 anderen werden für teuer Geld an Phisher, Spammer, Werbegeier und sonstiges Gelumpe verhökert. Der BND probt die ersten Online-Durchsuchungen. Natürlich OHNE richterliche Anordnung. Wen? Die eigenen BND-Mitarbeiter! Wieviele? 49. Also “etwas” mehr als die “wahrscheinlich etwa 10 im Jahr”. Weswegen? Sexuelle Belästigung! Also die hochgepriesene, besonders schwere Straftat. (Link).
In England wird der Zugriff auf einen Wikipedia-Artikel wegen einem 32 Jahre alten Platten-Cover der Scorpions providerseitig gesperrt und, das bekloppteste von allem: In Australien sind die “Simpsons” nun richterlich anerkannte Personen! Hintergrund: Einem Aussie wurde Kinderpornografie vorgeworfen, weil er Comic-Bilder von Bart und Lisa S. in eindeutigen Posen auf seinem Rechner hatte. Geschmackvoll hin oder her. Super finde ich die Begründung des Richters: “Die Figuren hätten Genitalien, die augenscheinlich menschlich seien.” Also, ich hab mich gerade nochmal vergewissert, aber meine Genitalien sind definitiv nicht gelb!

Und heute ist erst Montag! Nach Douglas Adams ist die Welt ja auch nur ein Computer. Demnach muss es doch irgendwo einen Reset-Knopf geben. Oder vielleicht einen Wiederherstellungspunkt….


Nov 6 2008

Warten auf den Bundestrojaner

Oder: Warum sich unsere Bundesregierung einen Dreck um unsere Verfassung schert

Gestern wurde mit den Stimmen von CDU und SPD das neue BKA-Gesetz beschlossen. Inklusive Online-Durchsuchung, Spionagekameras und -mikrofonen, Abfrage von Verbindungs- und Standortdaten, Kontenbewegungen sowieso, und was weiß ich noch alles. Im Grunde genommen unterscheidet das BKA von den Befugnissen her, nun nichts mehr von unserem Geheimdienst.
Sehr interessant in diesem Faltblatt zur Abschaffung der Demokratie, welches sich Gesetz nennt, sind die Ausführungen zur Online-Durchsuchung von PCs:
Wenn “besondere Eile” geboten ist, darf eine Online-Durchsuchung auch ohne bzw. mit nachträglichem richterlichen Beschluss vorgenommen werden. Hallo? Jemand zuhause? Wenn der Richter im Nachhinein “Nein” sagt, wurde mir meine Grundrechte auf Privatsphäre bereits von staatlicher Seite entzogen. Von einem “Oh Entschuldigung, aber die Email mit dem Betreff ‘Urlaub in Afghanistan’ kam uns verdächtig vor, da haben wir mal eben ihren PC untersucht” hab ich so gar nichts. Mich interessiert es auch nicht im geringsten, dass bei jeder Online-Durchsuchung ein Datenschutzbeauftragter des BKA mit dabei ist. Was soll das überhaupt sein, “Datenschutzbeauftragter des BKA”? Ist das sowas wie der Pazifistenbeauftragte der Bundeswehr? Oder der Moslemvertreter im Vatikan? Das kann doch nur ein schlechter Scherz sein!
Ebenso, das die Online-Durchsuchung erstmal bis 2020(!) befristet ist.
Ich bitte um Entschuldigung für meine Ausdrucksweise, aber ich kann gar nicht soviel essen, wie ich kotzen könnte.
Was zur Hölle glauben die Herren vom BKA eigentlich auf meinem Rechner zu finden? Eine “osamas_telefonnr.txt”? Eine “atombombenbau_fuer_dummyies.doc” (wobei die ja tatsächlich schon locker 15 Jahre durchs Netz schwirrt, und immer noch keine hoch gegangen ist). Aber laut meinem Lieblings-Schäuble werden ja private Inhalte nicht durchsucht. Die Datei “mein_geheimes_Tagebuch.txt” bleibt also unberührt. Da hab ich ja Glück gehabt.

Es bleibt letztlich nur zu hoffen, das die Richter in den roten Roben ein bißchen mehr Schmalz im Kopf haben, als diese Vollkoffer in Berlin, und merken, dass dieses Gesetz, ein weiterer Baustein beim Aufbau eines totalitären Überwachungsstaats ist.

<träummode>Mir schwirrt gerade eine Frage im Kopf herum: Warum werden Politiker eigentlich nicht haftbar gemacht, für den Mist, den sie verbrechen? Wenn ein Arbeiter Scheiße baut, fliegt er raus. Wenn ein Politer (oder auch ganze, sogenannte “Arbeitsgruppen”), Gesetze entwerfen, die augenscheinlich nicht verfassungskonform sind, passiert rein gar nichts. Haftung mit allen politischen Ämtern! Das wäre auf jeden Fall mal im Sinne des Bürgers.<träummode />
Ich für meinen Teil werde wahrscheinlich keine große Partei mehr wählen, letztlich hat man eh nur die Wahl zwischen Colera und Pest.

Stasi 2.0

Danke auch!


Apr 29 2008

Browser? Was sind denn jetzt nochmal Browser?

Diese Gegenfrage stellte jemand, der maßgeblich an Themen wie Vorratsdatenspeicherung und Online-Durchsuchung mitgearbeitet hat: Bundesjustizministerin Brigitte Zypries! Es war die Antwort auf die Frage von Kinderreportern, welche Browser es gibt.
Mir wird Angst und Bange…

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Mrz 19 2008

Vorratsdatenspeicherung ist zulässig

Das Bundesverfasssungsgericht hat heute beschlossen, dass das Speichern von Telefonverbindungsdaten alleine kein Eingriff in die Privatsphäre, und damit erstmal erlaubt ist. Lediglich den Abruf dieser Daten hat das BVG erschwert. Hier darf nur noch bei schweren Straftaten zugegriffen werden. Da es sich um einen Eilantrag handelte, ist das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen. Die Hauptverhandlung soll Ende des Jahres stattfinden.
Quelle: spiegel-online

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Feb 12 2008

Vorratsdatenspeicherung <> IP-Logging

Die Vorratsdatenspeicherung ist in vollem Gange und unsere Bundesjustizministerin Frau Zypries wird vom Arbeitsgericht Berlin dazu verknackt, endlich mit dem Loggen von IP-Adressen der Besucher “ihrer” Webseite www.bmj.bund.de (eine verlinkung spare ich mir an dieser Stelle) aufzuhören. Ansonsten drohen 250000 € (Steuer-)Geldstrafe oder wahlweise ein halbes Jahr Knast. Die Abschrift des Gerichtsbeschluss ist bei Datenspeicherung.de nachzulesen.
Das ausgerechnet dem Justizministerium das Loggen verboten wird, zeugt schon von einer gewissen Ironie. Bitte mehr solcher Urteile.

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Feb 6 2008

Wofür Videoüberwachung doch gut ist…

Die Volksbank Stuttgart nimmt es scheinbar nicht so genau mit dem Datenschutz ihrer Kunden. Um eine Person zu ermitteln, welche den Teppich im Geldautomatenbereich der Bank verunreinigt hat, wurden die Videoaufnahmen UND das Transaktionsprotokoll des Geldautomaten ausgewertet. Zur Erinnerung: Die Sichtung des Videomaterials ist bei Banken nur zur Verfolgung von Straftaten zulässig!
Die ganze Story gibt es bei Heise und den Stuttgarter Nachrichten
Hätte ich ein Konto bei dieser Bank, wäre dieser “Vorfall” ein Grund, das Konto zu kündigen.

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Feb 5 2008

The Wailers gegen The Wailers

Einfach köstlich. Im Jahr 2003, 45 Jahre (!) nach ihrer Gründung kam die US-Band “The Wailers” (muss man die kennen?) auf die glorreiche Idee, ihren Bandnamen als Marke schützen zu lassen. Nun gibt es eine sehr bekannte Reggea-Band um den verstorbenen Sänger Bob Marley mit just dem selben Namen und einer Domain wailers.com. Da die Verwechslungsgefahr ja nun immens ist, verklagte man die Jamaikaner nun auf die Herausgabe der Domain. Die Richter waren allerdings etwa befremdet darüber, dass man fast ein halbes Jahrhundert gewartet hat, um seinen Namen schützen zu lassen. Die Klage wurde abgewiesen.

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Jan 31 2008

Patent der Woche: Deine Fehlerseite gehört mir

Die Firma A9, eine Tochter von Amazon hat ein Patent auf “Methoden zur Fehlerverarbeitung um einem Nutzer ansprechende Inhalte zu präsentieren, wenn ein Seitenladefehler auftritt”, zugesprochen bekommen.
In einfachen Worten: Leite ich bei einem 404-Fehler (not found) auf eine entsprechende Seite um, verletze ich
das Patent von A9.
Manchmal frage ich mich, ob die amerikanischen Patenbeamten alle gänzlich merkbefreit sind?
Es handelt sich hierbei um eine Funktion, die der Apache-Webserver schon in den 90er Jahren konnte.
5(!) Jahre hat es gedauert, bis A9 das Patent zugesprochen bekommen hat. Mal schauen, wie lange das Gerichtsverfahren dauert, bis es wegen Schwachsinnigkeit wieder gelöscht wird. Die einzigen die daran verdienen werden, sind aller wahrscheinlichkeit nach, mal wieder nur die Anwälte…

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