Warum DE-Mail scheitern wird
Unsere Bundesregierung plant einen E-Mail-Dienst für alle Bundesbürger. Schön, es gibt ja noch nicht genug Anbieter. Das besondere an DE-Mail, so der Name des Dienstes: Er soll absolut sicher, und die Authentität von Sender und Empfänger soll zu 100% gewährleistet sein. Zudem bekommt jeder DE-Mail-Adressenbesitzer einen Online-Speicher, wo Dokumente hinterlegt werden können. Somit wäre die Grundlage geschaffen für eine sichere, rechtsverbindliche Kommunikation zwischen Bürgern und Behörden, aber auch mit Versicherungen, Banken und anderen Unternehmen.
Soweit die Theorie, die, zugegebenermaßen recht fortschrittlich klingt, hätte die ganze Sache nicht mehrere Pferdefüsse:
Fuß 1:
Niemand weiß, wie das Projekt finanziert werden soll. Eine Menge Unternehmen sind beteiligt (dazu später mehr), die alle nicht für Lau arbeiten. Auch die Infrastruktur kostet ein paar Euro fuffzig. Die Bundesregierung überlegt derweil, ob man nicht eine Art “E-Porto” für die neuen, sicheren E-Mails verlangen kann.
Fuß 2:
Das Internet ist evil! Viele Menschen haben kein Vertrauen in das Medium Internet. Was im Grunde genommen ja auch richtig so ist. Sie bringen ihre Überweisung immer noch lieber selber zur Bank als das per Online-Banking zu erledigen. Per Kreditkarte wird nicht eingekauft, und bestellt wird, wenn überhaupt, am liebsten per Nachnahme. Diese Menschen werden Ihren Ausweis nicht per E-Mail verlängern lassen.
Fuß 3:
E-Mail Konto konfigurieren? Verschlüsselung? Noch ein Passwort merken? Hä?
Das Einrichten eines neuen E-Mail-Kontos auf dem heimischen PC stellt den Großteil der PC-Benutzer vor eine
nahezu unlösbare Aufgabe. Sie sind froh, wenn ihr System läuft. Ich übrigens auch.
Fuß 4:
Welcher halbwegs informierte Bürger, der noch einen Rest Privatssphäre behalten möchte, wird wirklich wichtige Korrespondenz über einen Dienst verschicken, der in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesinnenministerium entwickelt wird? Jenem Ministerium, dessen Chef jeden Tag nach Vorratsdatenspeicherung, Online-Überwachung und Online-Durchsuchungen schreit.
Fuß 5:
Zertifikate! Um sicherzustellen, dass die Mail wirklich vom Sender stammt, braucht jeder DE-Mail-Besitzer ein persönliches, digitales Zertifikat, welches die Mail als echt, sprich vom Sender stammend, zertifiziert. Da “normalerPC-Benutzer” und “Backup” eher in einer konfliktären Beziehung zueinander stehen, wird es nicht lange dauern, bis die ersten Zertifikate verloren gehen, oder von Trojanern gefressen werden. Das die Ausstellung eines neuen Zertifikats nur gegen Bares erfolgt, versteht sich von selbst.
Fuß 6:
Die beteiligten Firmen: An erster Stelle sei da mal die Telekom zu nennen. War das nicht die Firma, welche es noch nicht mal schafft, ihre eigenen Daten im Haus zu halten? Oder war das doch eher die Firma, die ihre Mitarbeiter mal “zu Testzwecken” überprüft? Dann das ehemalige Staatsunternehmen “Deutsche Post”, dessen Ex-Vorstand gerade vor Gericht stand. Die kamen wahrscheinlich auch auf die glorreiche Idee mit dem “E-Porto”. Nicht zuletzt unser Bundesinnenministerium, auf das ich in Fuß 4 schon eingegangen bin. Nicht fehlen darf natürlich T-Systems (siehe dazu folgenden, sehr lesenswerten Kommentar). Fehlt eigentlich nur noch der Mehdorn und ein paar Siemens-Manager, damit ich mich rundum gut versorgt fühlen kann.
Fuß 7:
Eine zu kurze Vorlaufzeit. Im November 08 beschlossen, Im Sommer 09 Pilotprojekt, 2010 Projektabschluss. Dabei sind noch zuviele Fragen zum Thema Verschlüsselung, Zertifikate, und Kommuikation offen.
Fazit:
DE-Mail wird meiner Meinung nach mal wieder eine nicht unerhebliche Investition von Steuergeldern, welche zwar heere Ziele verfolgt, aber ein Schuß ins Leere sein wird. Die eigentlichen Gewinner dürften die Beteiligten Unternehmen und diverse Ministerien sein.
Zitat W. Schäuble: “De-Mail steht für Fortschritt, IT und IT-Sicherheit made in Germany.” (Quelle)
Wenn ich mit meiner Einschätzung recht behalte, könnte diese Aussage in den nächsten Jahren noch ein wenig für Hohn und Spott sorgen.



