Nov 20 2008

Besuch beim Chefarzt

Gestern war ich zu Besuch bei meinem jährlichen Rockkonzert. So einmal im Jahr muss auch ich mal ein bißchen abrocken. Dieses Jahr war mal wieder das Farin Urlaub Racing Team in der Düsseldorfer Phillipshalle an der Reihe. Wie nicht anders erwartet, machten die 11 Personen rund um Farin Urlaub eine gute Figur. Die Bläser der Busters pusteten sich die Lunge aus dem Leib, die “verkausfördernden Titten und Ärsche” (O-Ton FU) ergänzten die Songs im Hintergrund mit ihren Stimmen und Farin Urlaub war…halt Farin Urlaub. Die Songs waren gut ausgesucht, wobei manche Songs der neuen CD live nicht ganz so gut rüberkamen (“Jetzt kommt ein Song, wo sich die Männer ein Bier holen gehen können”), manche dafür aber umso mehr.

Es war ein schöner Abend, allerdings musste ich selbstkritisch feststellen, dass sich die Zeiten doch ändern. Früher war für mich normal, 3 Stunden vor Einlass bei einer Kiste Bier, vor der Halle auszuharren. Selbst Nieselregen war mir ziemlich egal. Heute treffe ich mich 2 Stunden vor Konzertbeginn, in Rattansesseln sitzend, in einer Coktailbar bei Drinks und Erdnüssen wieder. Geflohen vor dem Nieselregen.

Das Publikum bei solchen Konzerten hat sich eigentlich nicht sonderlich groß geändert. Naja, eigentlich doch, denn, da ich ja nicht älter werde, muss das Publikum immer jünger werden. Auf jeden Fall gehörte ich mit meinen geschätzen 27 Jahren doch schon eher zur älteren Fraktion. Dies merkte ich ganz deutlich bei einem Gespräch vor Konzertbeginn, mit einem Kerl (Mann, Junge, Knabe, was auch immer) der Kategorie “Fahranfänger” dessen Band-T-Shirt mir außerordentlich gut gefiel. Auf meine Frage, wo man so ein edles Stück Stoff denn erwerben könne, kam als Antwort: Ebay! Bingo. Willkomen im Jahr 2008.
Allerdings schien der Jüngling beeindruckt davon gewesen zu sein, dass noch eine 2. Person diese Band kennt. Auf seine Frage, ob es die Band noch gäbe, antwortete ich ihm, dass diese sich vor ca. 100 Jahren aufgelöst hatten. Darauf erwiederte er, dass es sich dabei scheinbar um mein Geburtsjahr gehandelt hat…
Ich war kurz davor, den Lümmel ohne Abendessen ins Bett zu schicken.

Der tanzende Mop hat sich im Laufe der Zeit allerdings überhaupt nicht verändert. Außer, dass sich alle Anfangs verabredet haben, beim Tanzen, immer und immer wieder auf meinem linken kleinen Zeh zu trampeln. Nicht der Dicke, nicht der rechte, nein, immer und ausschließlich mein kleiner linker Zeh. Das kann nichts anderes als eine Verschwörung sein. Wahrscheinlich vom CIA, Mossat oder Schäuble.

Nach 2 Stunden Dauerbewegung hatte ich das Gefühl mein sportliches Jahrespensum innerhalb dieses Zeitraums absolviert zu haben. Eigentlich darf man gar nicht darüber nachdenken, was man sich alles holen kann, wenn man in so einem tanzenden, schwitzenden und stinkenden Pulk steht. Woher weiß ich denn, dass mein Nebenmann, der gerade meine undeodorierten Achseln zu spüren bekommt, nicht gerade wegen einer offenen TBC behandelt wird? Aber Hauptsache Rauchverbot im kompletten Gebäude. Ich bin mal gespannt, was Lemmy von Motöhead sagen wird, wenn bei seinem nächsten Auftritt ein Ordner auf die Bühne kommt, und ihm die Kippe aus dem Mundwinkel zieht. Das wird ein Spaß.